Gemeinsames Lernen
75 Jahre Bundesverfassungsgericht: Besuch am Gymnasium gibt Einblicke in Hüterin des Grundgesetzes
Horb 11.05.2026 . Anlässlich des 75-jährigen Jubiläums des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) haben Dr.Markus Gentzsch und Dr. Alexander Bradewisschenschftliche Mitarbeiter des Karlsruher Gerichts das Martin Gerbert Gymnasium besucht. In einem Workshop in den Leistungsfächern Gemeinschaftskunde und Geschichte und einem Vortrag mit Fragerunde für die Abiturienten berichteten sie vom Aufbau des Bundesverfassungsgerichts und gaben den Schülerinnen und Schülern spannende Einblicke in ihren Arbeitsalltag – von der Bearbeitung der Eingänge bis zur Vorbereitung von Entscheidungen.
Im Mittelpunkt stand zunächst die Frage, wie das Bundesverfassungsgericht arbeitet. Die Gäste erläuterten, dass das Gericht aus zwei Senaten mit jeweils acht Richterinnen und Richtern besteht und vor allem dann angerufen wird, wenn Grundrechte oder zentrale Verfassungsfragen berührt sind. Auch der Weg eines Verfahrens wurde verständlich nachgezeichnet: vom Eingang einer Beschwerde über die erste Prüfung bis hin zur Beratung und Entscheidung. Dabei machten die Mitarbeitenden deutlich, dass viele Anliegen zwar ernst genommen, jedoch nicht alle zur Entscheidung angenommen werden können – unter anderem wegen formaler Voraussetzungen und begrenzter Kapazitäten.
Besonders aufmerksam hörten die Jugendlichen zu, als es um die praktische Arbeit hinter den Kulissen ging. Die beiden Mitarbeitenden schilderten, wie Akten aufbereitet, Sachverhalte zusammengefasst und rechtliche Fragen recherchiert werden. Je nach Aufgabe reichen die Tätigkeiten von organisatorischen Abläufen bis zu inhaltlicher Zuarbeit – immer mit dem Ziel, Verfahren sorgfältig und transparent vorzubereiten. Gleichzeitig betonten sie die besondere Verantwortung, die mit der Arbeit am höchsten deutschen Gericht verbunden ist: Entscheidungen müssen nachvollziehbar sein und sich am Grundgesetz orientieren.
In der anschließenden Fragerunde nutzten viele Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, eigene Themen einzubringen. Gefragt wurde unter anderem, wie lange Verfahren dauern können, worin der Unterschied zwischen Bundesverfassungsgericht und anderen Gerichten besteht und welche Rolle das Gericht in gesellschaftlich kontroversen Debatten spielt. Die Gäste nahmen sich Zeit für verständliche Antworten und zeigten anhand von Beispielen, wie das Bundesverfassungsgericht Grundrechte abwägt und warum unabhängige Gerichte ein wichtiger Bestandteil einer Demokratie sind.
Der Besuch passte damit nicht nur zum 75. Jubiläum des Bundesverfassungsgerichts, sondern auch zum Bildungsauftrag der Schule: Politik und Recht wurden greifbar – und der Blick auf das Grundgesetz bekam ein konkretes Gesicht. „Auch für uns Lehrkräfte war es spannend, mal aus erster Hand zu erfahren, wie das BVerfG arbeitet – eine tolle Veranstaltung für alle Beteiligten“, sagte Kirsten Gockel. Mit dem Austausch endete eine Veranstaltung, die bei vielen Jugendlichen vor allem eines hinterließ: das Gefühl, dass Verfassung und Grundrechte keine abstrakten Begriffe bleiben müssen, sondern im Alltag konkret geschützt und ausgelegt werden.
Text: K. Gockel
